Schwerpunkt Covid-19 und Events

Covid-19-Pilotprojekt zeigt wie Großveranstaltungen sicher durchgeführt werden können

Mitte September führte das Austria Center Vienna ein Pilotprojekt mit der Wirtschaftsuniversität Wien durch. Bei den Einführungsvorlesungen wurden rund 2.000 Studierende mit Hilfe eines Antigen-Schnelltests auf Covid-19 getestet.
Austria Center Vienna Teststrassen, Foto: IAKW-AG, Ludwig Schedl

Am 5. November 2020 sprechen wir dazu mit Initiatorin des Pilotprojekts und Direktorin des Austria Center Vienna (ACV) Dr. Susanne Baumann-Söllner in einem Experten-Talk ausführlich über das europaweit einzigartige Projekt. Wir haben Dr. Baumann-Söllner schon vorab einige Fragen zum Projekt gestellt.

Wie kam es zu diesem Pilotprojekt?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Wir haben schon seit längerem die Schnelltests als potenziell wichtige Maßnahme für Veranstaltungen gesehen und daher besonders interessiert die Entwicklungen verfolgt. Glücklicherweise war es uns möglich, als erstes Veranstaltungshaus Europas eine größere Stückzahl eines neu zugelassenen Schnelltests zu erwerben. Innerhalb sehr kurzer Zeit konnten wir die Wirtschaftsuniversität für das Pilotprojekt gewinnen und haben dann ein Konzept zur Umsetzung entwickelt.

Wie viele Teilnehmer wurden getestet?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Im Rahmen der Einführungsvorlesungen der Wirtschaftsuniversität Wien wurden rund 2.000 Covid-19-Schnelltests bei Studierenden, Personal und Partnerunternehmen durchgeführt.

Wie viel Zeit war pro Teilnehmer für den Test nötig?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Das Pilotprojekt lieferte wertvolle Erkenntnisse zu notwendigen Vorlaufzeiten vor Veranstaltungen bei Schnelltests: Laut Arbeiter-Samariter-Bund können 30 Sekunden pro Abstrich und Testperson als Grundlage angenommen werden. Dies bedeutet, dass pro Teststraße im Schnitt rund 120 Personen pro Stunde getestet werden können. Daraus errechnen sich die notwendige Anzahl der Teststraßen bzw. die Zeitslots für die Teilnehmer.

Wie lange dauert es für einen Teilnehmer die Teststraße zu absolvieren?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Die Durchführung des Tests vom Abstrich bis zur Sichtbarkeit des Ergebnisses hat im Schnitt lediglich zwischen 6 und höchstens 10 Minuten benötigt. Damit lag man deutlich unter den ursprünglich angenommenen 15 Minuten pro Test.

Wie hoch war der personelle Aufwand?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Pro Teststraße sind eine medizinische Fachkraft für den Rachenabstrich sowie zwei bis drei Assistenten zur Vorbereitung der Lösung und Betreuung der Testpersonen notwendig. Dieses Setting hat sich im Pilotprojekt bewährt. Hinzu kommt am Ende der Teststraßen ein Team von medizinischem Fachpersonal, welches die Personen mit positivem Testergebnis umgehend isoliert und betreut.

Wie ist das Ergebnis ausgefallen?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Bei den rund 2.000 getesteten Personen gab es nur fünf positive Testergebnisse. Dies entspricht einem Anteil an positiven Fällen von rund 0,25 Prozent.

Wie wurde auf positive Testergebnisse reagiert?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Nach umgehender Isolierung und der Durchführung eines zusätzlichen PCR-Tests wurden die fünf Verdachtsfälle einzeln in Heimquarantäne gebracht. Am zweiten Veranstaltungstag wurde eine Person positiv getestet, welche am ersten Tag ein negatives Ergebnis hatte. Dieser Fall unterstrich einmal mehr, dass bei mehrtägigen Veranstaltungen ein täglicher Schnelltest durchgeführt werden sollte.

Wie wurden die Teilnehmer im Vorfeld der Veranstaltung über den Test informiert?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Die Studierenden wurden wenige Tage vor der Veranstaltung per E-Mail und mit einem kurzen Informationsvideo über die Schnelltests informiert. Dies war aufgrund der absoluten Neuheit des Testverfahrens nur so möglich. Die Akzeptanz der Testpersonen war durchgehend sehr gut, keine einzige Person hat den Test abgelehnt.

Bei rund 2.000 Teilnehmern ist das Einhalten von Sicherheitsabständen bestimmt eine Herausforderung. Wie erfolgte die Umsetzung vor Ort? 

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Die Teststraßen wurden vor dem Austria Center Vienna unter dem donauSEGEL aufgebaut und waren in verschiedene Abschnitte unterteilt, damit die Testpersonen in halb minütigem Rhythmus vorrücken konnten. So war es den Teilnehmern leicht möglich auch den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten.

Was lautet Ihr Resümee des Pilotprojekts?

Dr. Susanne Baumann-Söllner: Die zentrale Erkenntnis ist, dass Schnelltests in der Praxis durchführbar sind und eine sinnvolle Ergänzung innerhalb eines Hygiene- und Sicherheitskonzepts bilden. Der Ablauf und die Dauer der Tests ist Teilnehmern einer Veranstaltung durchaus zuzumuten, denn die Sicherheit steigt dadurch enorm.

Dr. Susanne Baumann-Söllner, Foto: IAKW-AG, Ludwig Schedl

Über Dr. Susanne Baumann-Söllner

Dr. Susanne Baumann-Söllner wurde mit 1. Dezember 2012 zum Vorstand der IAKW-AG bestellt. Sie ist als Sprecherin des Vorstands für das Kongressgeschäft, also die Bereiche Marketing, Sales, Eventmanagement sowie den Bereich Finance & Accounting, Personal, IT und Sicherheit verantwortlich.

Die studierte Wirtschaftspädagogin, Wirtschaftstreuhänderin und Finanzanalystin arbeitete zunächst als Steuer- und Unternehmensberaterin und war danach im Bundesministerium für Finanzen als Beraterin mehrerer Minister und als Abteilungsleiterin für Steuerpolitik und Abgabenlegistik tätig. Baumann-Söllner ist Autorin mehrerer steuerpolitischer Fachpublikationen und Preisträgerin des Leopold Kunschak Wissenschaftspreises 2011.

Über das Austria Center Vienna

Das Austria Center Vienna (ACV) ist Österreichs größtes Kongresszentrum und die größte Eventlocation in Wien. Darüber hinaus zählt das ACV europaweit zu den führenden Konferenzzentren und wird für internationale Konferenzen mit bis zu 22.800 Teilnehmern, für Unternehmenstagungen und Events, Ausstellungen sowie Messen genutzt. Es stehen 180 Meetingräume, 24 Säle und 26.000 m² an Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Über den Autor

Über den Autor

Manfred Machacek ist bei Invitario für die Website, Videos und das Magazin zuständig. Er ist seit vielen Jahren in der Eventbranche tätig und besonders auf das Thema Covid-19 spezialisiert. Er hat neben einer Informatikausbildung auch Marketing und Kommunikation an der FHWien studiert.

Tipps der Redaktion